Abriss oder Wiederaufbau ?
ani.gifWas fängt man mit einer Kirchruine an, von der nur noch die Umfassungsmauern und der innen hohle Turm übrig sind? Eigentlich gibt es nur zwei Möglichkeiten – Abriß oder Wiederaufbau! Zum Glück haben sich die Vierradener Bürger während der 56 Jahre ihres Dornröschenschlafs nicht für den Abriß entschieden. Somit blieb nur die zweite Alternative, der Wiederaufbau.
Der ‚Freundeskreis Kirchruine‘ und auch der Gemeindekirchenrat von Vierraden engagieren sich seit 1999 für den Erhalt dieses historisch bedeutenden Bauwerks und haben ihre Kirchruine „wachgeküsst“. Geplant war dabei von Anfang an eine gemeinsame Nutzung durch die Kirchengemeinde und die Stadt Vierraden.
Dazu wurde bereits im Jahre 2000 durch die Firma Schneiderat aus Vierraden und die Denkmalpflege GmbH aus Prenzlau, die komplette Mauerkrone des Kirchenschiffes saniert.
Im darauffolgenden Jahr folgte die Instandsetzung des Turmes. Ein Dach, aus einer Stahl/Glas Konstruktion, gekrönt mit einem Kreuz, schließt den Turm. Das blaue Lichtband, das in der Nacht zu jeder vollen Stunde weithin leuchtet, ist zu ihrem Markenzeichen geworden. Im Turm selbst wurden Ebenen eingezogen, die es möglich machen, den Turm zur Besichtigung zu besteigen und auch die Glocke hat wieder ihren ehrwürdigen Platz erhalten.
Dank dem Engagement unserer Architektin Frau Krassuski vom Planungsbüro ALV aus Angermünde, war das Vorhaben sehr erfolgreich. In Zusammenarbeit mit der ASU ( Arbeit und Struktur in der Uckermark ) und dem Arbeitsamt Schwedt waren 2001 neun ABM-Kräfte damit beschäftigt, das Innenschiff einzuebnen und die geplanten Arbeiten am Turm durchzuführen. Fachmännisch wurde die Maßnahme von der Gramzower Firma Gebäude- und Umwelttechnik GmbH betreut.
Der erste Bauabschnitt sah also die Sanierung des Turmes vor. Es entstanden Räume für Toiletten und eine kleine Teeküche, ein Raum, in dem alte Fundstücke ausgestellt werden und ein weiterer Raum, der für kleine Gruppen geeignet ist. Im „blauen Salon“, wie er im Volksmund genannt wird, tagen Gemeindekirchenrat und Freundeskreis, die Konfirmanden erhalten hier ihren Unterricht, die Kleinsten feiern Kindergottesdienst und zwei Jahre lang wurde jeden Sonntagabend aus der Bibel gelesen.
Die Ruine war somit gesichert und der begehbare Turm lässt auch eine Besteigung des Glockenturmes zu. Damit ist eine wichtige Nutzung beschrieben. Die Kirchruine ist wieder ein ansehnliches Denkmal, das in die Stadtführungen mit einbezogen wird und gleichzeitig zu neuem Leben erwacht.
Die Einebnung des Kirchenschiffes zeigt an, daß wir natürlich den großen imposanten Innenraum der Kirche vielfältig nutzen. Konzerte, Ausstellungen und natürlich besondere Gottesdienste finden hier statt. Aber auch im Rahmen des Tabakblütenfestes oder zum Weihnachtsmarkt wird die Kirche genutzt. Der Charme des Weihnachtsmarktes in und um die Kreuzkirche, wie sie inzwischen heißt, hat sich über die Ortsgrenzen hinaus herumgesprochen.
Langfristig soll das Kirchenschiff wieder überdacht werden. Dabei ist an eine Leichtbaukonstruktion gedacht. Somit wäre der Raum des Kirchenschiffes ganzjährig nutzbar.
Für unser Vorhaben können wir nach wie vor auch finanzielle Unterstützung dringend gebrauchen. Herzlichen Dank.
Ihr Pfarrer F. Becker
Nachnutzungskonzeption der Kirchruine Vierraden
Die Kirchengemeinde Vierraden benötigt einen Raum vor allem für große, festliche Gottesdienste ( Taufen, Trauungen, Erntedank, Ostern, Pfingsten usw. ), da dafür der vorhandene Gemeinderaum stets zu klein ist. Desweiteren könnte der Kirchenraum für Gemeindeversammlungen, Gemeindefeste, Kinderfeste u.a. genutzt werden. Auch somit mögliche Konzerte und Ausstellungen wären eine wichtige und wünschenswerte Erweiterung und Bereicherung des Gemeindelebens.
So ist der Bedarf der Nachnutzung für die Stadt Vierraden vor allem in der Veranstaltung von Musiken ( z.B. Kammermusiken und Jazzkonzerten, Chorauftritten u.a. des neu entstandenen Vierraderer Chors, Sängerwettstreiten ), Spielveranstaltungen für Kinder, Theateraufführungen, Vorträgen, Dia- und Videoaufführungen, Lesungen und Ausstellungen zu sehen. Außerdem würde der nutzbare Raum der Kirchruine auch für die Ausrichtung des Tabakblütenfestes und natürlich eines Adventsmarktes genutzt werden.
Die Bedeutung der Kirchruine für die Stadt Vierraden liegt aber auch im Bereich des Tourismus. Hier ist in besonderem Maße die Einbeziehung der nutzbaren Kirchruine in Stadtführungen und die damit verbundene Darstellung der baugeschichtlichen Bedeutung des Bauwerks zu nennen. Somit wäre eine Besichtigung für Touristen des Nationalparks, des Uferradweges, der Märkischen Eiszeitstraße und der Wasserwanderer möglich, was im Blick auf den Tourismus für die Stadt Vierraden, eine wirkliche Bereicherung darstellen würde.
Darüber hinaus bliebe, auch wenn nur die ersten Schritte der Erhaltung des Denkmals und der Nutzung des Kirchenraumes möglich bleiben sollten, dieser Bau ein Mahnmal gegen Krieg und jegliche sinnlose Gewalt und Zerstörung. Bei den Bemühungen, die Kirchruine Vierraden als Denkmal zu erhalten und zu nutzen, ist es als dankenswert anzusehen, dass all die Überlegungen und das Nachnutzungskonzept von vornherein in gutem Einvernehmen und in guter Zusammenarbeit mit der Stadt Vierraden gemacht wurden.
So beschlossen vom GKR Vierraden am 07. Juli 1999.